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Ballerinas

Published:

July 30, 2026
Mich hat eine E-Mail erreicht, in der ein Buchauftrag versteckt war. Der Auftraggeber hatte es zwar über meine Homepage versucht, aber das System hat wohl nicht richtig funktioniert. Diese Geschichte hat sich fast von selbst geschrieben. Der Auftraggeber hatte eine sehr klare Vorstellung, was das Buch eigentlich werden sollte, und so habe ich es einfach angefangen zu schreiben.


Im Verlauf habe ich mich dann immer wieder in Kleinigkeiten verloren, und so wurden aus den eigentlich angedachten 200 Seiten für das gedruckte Buch knapp 300 Seiten und es steht noch immer nicht alles drin. Allerdings wurde ich gebeten gleich noch ein Buch zu schreiben, worin ich die fehlenden Ideen unterbringen werde.
Chapter 1

1. Kapitel (Vics große Probleme)

Die Luft lag schwer in dem kleinen Büro, das Victoria in ihrem Geschäft eingerichtet hatte. Schon den gesamten Vormittag über hing sie über den Büchern und versuchte fieberhaft, einige Posten ihrer Ausgaben zu kürzen. Ihr kleines Fotogeschäft lief seit einer ganzen Weile alles andere als gut. Als sie gerade erst neu eröffnet hatte, rannte man ihr beinahe die Türen ein. Kunden gaben sich die Klinke in die Hand, und sie hatte so viel zu tun, dass sie gar nicht umhinkam, eine Aushilfe einzustellen, die ihr ein wenig Arbeit abnahm. Das bedeutete zwar ein wenig weniger Einnahmen, dafür kam sie aber auch mal wieder aus der Tür nach Hause.

Die ersten Wochen lief sie von früh bis spät durch ihr kleines Reich, bediente ständig Kunden und die Leuchten vor der Leinwand verströmten fast durchgängig ihr helles Licht. Die gemachten Bilder wurden oft verkauft, und Victoria dachte schon daran, ihren Laden in ein besseres Viertel der Innenstadt zu verlegen. Allerdings brachen dann immer mehr Kunden weg und die Finanzen ihrer kleinen Welt brachen in sich zusammen. Mittlerweile suchte sie vergeblich einen Ausweg aus dieser Krise. Aber egal welche Bilder von den wenigen Kunden sie noch schoss, sie reichten nicht, um die Ausgaben zu decken. Auch die Verkäufe stockten und wollten sich irgendwie nicht wieder erholen.

Der erste Hype war vorüber und Victoria sah sich der harten Realität gegenüber. Es ging von Woche zu Woche immer weniger, und die eingestellte Aushilfe Ella langweilte sich die meiste Zeit hinter dem Verkaufstresen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis sie Ella entlassen müsste. Nicht weil die junge Studentin ihre Arbeit schlecht machte oder sonstige Probleme bereitete. Victoria war gezwungen die Ausgaben zu senken, um überhaupt noch überleben zu können. Dabei mochte sie die junge blonde Studentin mit dem Pferdeschwanz, den blauen Augen und der sehr schlanken Figur, die sich ihr Studium mit dem Job bei ihr finanzierte. In den wenigen Monaten waren aus den beiden Frauen Freundinnen geworden.

In erster Linie lag das an Victoria. Sie sah in der hellhäutigen zwanzigjährigen Ella mehr als eine Angestellte. Wäre es bei den beiden nicht nur um eine geschäftliche Beziehung gegangen, hätte sich die zehn Jahre ältere Ladenbesitzerin schon eine etwas andere Beziehung mit der Studentin vorstellen können. Insgeheim hoffte sie auch noch darauf, dass daraus etwas werden könnte. Allerdings war sie noch nicht in der Lage sich Gedanken darüber zu machen, wie sie die Aushilfe an die Angel legen konnte. Die Schulden des Ladens drückten zu sehr, um sich darum mehr Gedanken zu machen. Wenn Victoria Ella entlassen müsste, würde ihr diese Chance entgehen. Die junge Aushilfe würde sicher nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen.

Je mehr Zahlen sich Victoria ansah und mit ihrem kleinen Taschenrechner auch nachrechnete, nirgendwo kam sie noch auf einen grünen Zweig. Es mussten deutlich mehr Fotos verkauft werden, damit es wenigstens wieder etwas freundlicher aussah. Aber alles Betteln und Flehen half dabei nichts. Die Kunden mieden ihren Laden und die wenigen Bilder, die sich noch verkaufen ließen, deckten nur einen groben Teil der Kosten. Wenn nicht ganz schnell etwas passierte, wäre in spätestens vier Monaten jede Hoffnung verloren und die brünette Victoria müsste ihren Traum der Selbstständigkeit begraben. Da konnte eigentlich nur noch ein Wunder helfen.

Ein Wunder war natürlich nicht zu erwarten. Das war völlig abwegig und würde auch garantiert nicht vom Himmel fallen. Das Einzige, was sich kurz danach ereignete, war ein leises Klopfen an Victorias Tür zu ihrem kleinen Büro. Sie schob den Taschenrechner zur Seite, strich sich eine Strähne der langen Haare hinter ihr Ohr und sah zur Tür. Dort stand ihre Ella, die ihren Kopf nur ganz vorsichtig durch den Türspalt steckte. Ganz leise sagte ihre Aushilfe: »Vic, vorne im Laden steht ein Schnösel im Anzug, der irgendwas kassieren will. Kommst du nach vorne oder soll ich versuchen, ihn abzuwimmeln?«

Victoria musste sich ein großes Lächeln verkneifen. Ella bot ihr sogar an, den Gläubiger mit einer fadenscheinigen Begründung abzuweisen. Die junge Aushilfe stellte sich freiwillig vor ihre nur wenig ältere Chefin und versuchte, den Laden zu verteidigen. Obwohl es für sie nur ein Job war, um ihr Studium zu finanzieren, bedeutete das für Victoria schon etwas ganz anderes. Offensichtlich war Ella ihr wirklich zugetan, ohne es in Worte zu fassen. Das machte sie schon ein klein wenig glücklich, und einen kurzen Moment lang hatte sie das Bedürfnis, ihre Aushilfe in den Arm zu nehmen. Leider war das in dieser Situation überhaupt keine Option.

Aber die Chefin musste in den Abgrund blicken und sich um die Geldforderungen eines Gläubigers kümmern. Man konnte nicht den Kopf in den Sand stecken und die Welt ausschalten, nur weil das Geschäft nicht mehr richtig lief und kaum noch Geld einen Weg in ihre Kasse fand. Diesen Weg musste jeder Unternehmer nehmen, wenn das eröffnet Geschäft nicht mehr profitabel betrieben werden konnte. Victoria stand bereits mit ihrem kleinen Herzensprojekt am Abgrund und wusste, dass die Zahlen in ihren Büchern nicht logen. Sie konnten auch über einen anstehenden Konkurs nicht hinwegtäuschen. Sie versuchte noch, zu kämpfen, aber wenn nicht bald etwas voranging, war das eine Schlacht, die man nicht gewinnen konnte.

Notgedrungen erhob sie sich aus ihrem Stuhl und lief auf Ella zu. Die junge nur drei Zentimeter kleinere Aushilfe warf ihr ein eher gequält wirkendes Lächeln zu und zog die Tür komplett auf. Vic sagte: »Ich kümmere mich um den Geier. Was bleibt mir denn noch anderes übrig, als meinem Schatten ins Gesicht zu sehen. Mal sehen, was der überhaupt will.«

Ella antwortete leise: »Der Schirmständer in seinem gebügelten Anzug sieht aus wie einer von der Bank. Zumindest macht er genau so einen verstaubten Eindruck auf mich.«

»Sei froh, dass du dich noch nicht mit den Korinthenkackern herumschlagen musst. Die rauben einem außer Energie und Lebensmut das Geld und glauben, sie wären etwas Besseres. Dabei haben sie es nur von der Schule in den Hörsaal geschafft und sich von einem Professor für Pissologie erzählen lassen, wie man anderen Menschen auf die Nerven fällt.«

»Galgenhumor steht dir nicht, Vic. Scheint nicht gut für den Laden zu stehen. Kann ich dir irgendwie helfen?«

»Können wir später darüber reden? Im Moment habe ich den Kopf voll und kann mich nicht großartig auf etwas anderes konzentrieren. Wenn ich später etwas klarer bin, stehe ich dir Rede und Antwort, okay?«, fragte die Chefin des kleinen Fotogeschäfts.

Ella machte ihr bereitwillig Platz und nickte nur leicht. Sie wollte Victoria nicht die Zeit rauben oder ihr auf die Nerven gehen. Natürlich wusste sie, dass es nicht gerade so toll um den Laden bestellt war. Als sie angefangen hatte dort zu arbeiten, konnte sich Vic kaum eine Minute Pause nehmen. Ständig war der Laden voll und jeder wollte von ihr fotografiert werden. Nach einigen Wochen aber wurde der Betrieb immer weniger, und Ella bemerkte auch, wie wenig Geld in der Kasse landete. Natürlich wusste sie nicht um die ganzen Hintergründe, die in Victorias kleinem Büro hinter verschlossener Tür behandelt wurden, aber als einfache Angestellte konnte man Rückschlüsse ziehen, wie es um den Betrieb stand.

Beide machten sich auf den Weg zur Ladentheke, und als Vic den Mann im Anzug dort stehen sah, wurde ihr schon ganz anders. Diesen speziellen Kandidaten hatte sie schon einmal vor sich, als es um die Gründung ihres kleinen Unternehmens ging. Er war von keiner Bank, sondern von einer Behörde der Stadt, in der ihr kleiner Laden seinen Sitz hatte. Ganz hinten in ihrer Erinnerung leuchtete sofort eine rote Warnleuchte auf. Hatte sie vielleicht etwas in den Verträgen übersehen und dort zugestimmt etwas zu bezahlen, falls der Laden eine gewisse Zeit geöffnet war? Nein, das würde sicher in ihren Büchern stehen. Es musste um etwas anderes gehen, aber mit dem war nicht wirklich gut Kirschen essen.

Ella stellte sich wieder hinter die Kasse und beobachtete die Szene aus sicherer Entfernung. Sie mochte diesen Kunden nicht, was einfach mit einem unguten Gefühl zusammenhing. Es lag einfach an seinem Auftreten, wie er sprach und wie er sich im Laden gab. In den letzten Monaten hatte sie sehr feine Antennen für die einzelnen Kunden entwickelt und wusste schon, bevor sie ein Wort von sich gaben, auf was sie sich einstellen musste. Der Typ im Anzug roch schon nach Ärger und sein Auftreten bestätigte diesen Verdacht nur noch mehr. Vic gab ihm vorsichtig die Hand und fragte direkt, um was es ging.

Dabei kam heraus, dass die Eröffnung von Vics Laden in diesen Räumen nur aufgrund einer Verfügung der Stadt funktionierte. Das ganze Gebäude gehörte noch immer der Stadt, und die wünschte sich mehr oder weniger nur erfolgreiche Einzelhändler in der Einkaufsmeile. Aufgrund der Zahlungsschwierigkeiten von Vic gab es dann natürlich auch Probleme mit dem Standort. Vics Laden war einfach nicht profitabel und die Laufkundschaft ließ ihn seit einiger Zeit eher links liegen, während die anderen Geschäfte gut besucht wurden. Aber Victoria war nicht einfach ein Sonnenstudio oder ein kleiner Süßwarenladen, den Kinder stürmten, um ihr Taschengeld auszugeben.

Sie hatte sich auf Fotos spezialisiert, bot Passbilder oder ganze Fotosessions für Einzelpersonen an, die eine nette Erinnerung haben oder verschenken wollten. Zu diesem Zweck hatte sie sich sogar einen Greenscreen besorgt, damit sie die Kunden ganz einfach mit einem Klick am Computer an einen Karibikstrand oder die verschneiten Alpen stellen konnte, ohne dass sie wirklich dort sein mussten. So war es für die Kunden möglich, im tiefsten Winter Bilder aus dem Hochsommer im Bikini an irgendeinem Strand der Welt machen zu lassen. Diese Möglichkeit wurde anfangs auch sehr rege genutzt, schlief dann aber leider ein.

Victoria und der Mann im Anzug führten eine längere Unterhaltung über die Vorgaben der Stadt. Dabei wurde das Gesicht der 1,71 Meter großen Ladenbesitzerin immer dunkler. Falls Vic ihre Umsätze nicht innerhalb weniger Monate erheblich steigern konnte, würde die Stadt die Pacht beenden und anderweitig vergeben. Das setzte sie natürlich noch zusätzlich unter Druck. Wie sollte sie den Umsatz innerhalb weniger Monate deutlich steigern und mehr Kunden anlocken? In ihrem Büro lagen die ganzen Bücher mit den tiefroten Zahlen und die Zahlungsunfähigkeit war, wenn es so weiterging, einfach nur noch eine Frage von maximal vier Monaten.

Das bekam Ella nicht wirklich mit. Sie hatte keinen Einblick in die Buchhaltung und auch dem Gespräch ihrer Chefin konnte sie nicht mehr lange folgen. Eine Kundin hatte tatsächlich den Laden aufgesucht und fragte die Aushilfe nach einem Termin für einige Bilder. Das Auftragsbuch an der Kasse war gähnend leer und trotzdem fuhr Ella sehr geschickt mit dem Finger über das Papier und tat so, als würde sie nach einem freien Termin fahnden. Victoria beobachtete das am Rande und war sichtlich stolz auf ihre clevere Aushilfe. Die junge Kassiererin verhielt sich genau richtig und täuschte gegenüber der Kundin einen vollen Terminkalender vor.

Victoria wimmelte den Typen von der Stadt ab und verschwand wieder mit noch tiefer hängenden Zügen in ihrem Büro. Ella sah ihr einen kurzen Augenblick nach. Sie konnte der Chefin definitiv nicht helfen. Sie als Studentin der Sportwissenschaften konnte auch keine Kunden herbeizaubern. Das drückte auch ihre Stimmung. Der Verdienst im Laden ihrer Chefin, die mittlerweile eher eine Freundin geworden war, finanzierte ihr noch junges Leben. Viel leisten konnte sie sich damit nicht, aber es deckte zumindest die Kosten für ihre Unterkunft und die Studiengebühren. Dafür war der Job aber sehr angenehm.

Die meisten Studenten arbeiteten als Kellner, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie mussten viele Stunden am Tag durch ein Lokal oder in den wärmeren Monaten durch einen Biergarten laufen und dabei auch noch schwer tragen. Das brachte zwar noch ein bisschen Trinkgeld, war aber auch extrem anstrengend und bei gewissen Kunden auch maximal nervig. Da hatte es Ella bei Victoria schon deutlich besser getroffen. Sie musste zwar hinter dem Tresen stehen, hatte aber von Victoria selbst einen kleinen, bequemen Stuhl an ihren Arbeitsplatz bekommen und durfte auch aufgrund der Kundenarmut ein wenig länger Pause machen.

Wenn sie noch nicht zurück war, übernahm Victoria ihren Arbeitsplatz. Es gab ohnehin nicht viel zu tun und Victoria als Chefin mochte den Kundenkontakt, der nach den Büchern viel zu selten vorkam. Der aufgegebene Auftrag bei ihrem Gespräch könnte wenigstens wieder ein bisschen Geld in die Kasse spülen, allerdings musste Ella dazu noch Rücksprache mit der Chefin halten. Das würde ihr vielleicht die Laune wieder erhellen, aber nach dem Gespräch mit dem unangenehmen Anzugträger benötigte die Fotografin ein wenig Zeit für sich, um sich zu beruhigen. Daher wartete Ella noch fast eine Stunde bis zur Mittagspause, bis sie sich noch einmal auf den Weg zum Büro machte.

Vic saß schon wieder über ihren Büchern und hatte die Nase in einem Taschenrechner versenkt. Das ganze Jonglieren mit den Zahlen brachte die Chefin allerdings nicht wirklich weiter. Es führte ihr nur noch einmal sichtbar vor Augen, wie schlecht es um ihr kleines Unternehmen stand. Natürlich wusste sie das auch so schon mehr als deutlich, aber die Abrechnungen, die sie ans Finanzamt leiten musste, machten die mangelnden Einnahmen noch einmal besonders deutlich. Darunter fiel auch der Lohn für ihre Aushilfe. Das waren einfach nur Ausgaben, die sich Vic nicht mehr wirklich lange leisten konnte.

Allerdings stand für Victoria fest, dass sie Ella so lange wie nur irgend möglich bei sich behalten wollte. Nicht wegen der tollen Arbeit, die sie leistete, und auch nicht wegen ihrer entstandenen Freundschaft. Sie hatte mit der jungen Aushilfe etwas ganz Besonderes vor. Zwischen ihnen lagen nur zehn Jahre Altersunterschied und die zarte Aushilfe hatte es tatsächlich geschafft, bei Victoria, die nach außen hin unsichtbare dunkle Fantasie zu erwecken. Ella wusste noch nichts vom Vorhaben der Chefin. Sie hatte sie bisher nur als sehr nette Frau kennengelernt und kam glänzend mit ihr zurecht. Daraus hatte sich auch schon eine Freundschaft entwickelt.

Die junge Aushilfe steckte den Kopf durch die Bürotür und fragte bei Vic nach: »Hast du ein paar Minuten, Vic?«

Victoria hob den Kopf, warf ihrer Aushilfe ein schüchternes Lächeln zu und meinte: »Natürlich habe ich ein paar Minuten für dich. Was gibt's?«

Ella zog die Tür auf, trat in Vics kleines Büro und setzte sich neben sie an den Schreibtisch. Dann legte sie ihr einen Auftragszettel vor die Nase und berichtete vom Wunsch der Kundin, die sie vorher abgefertigt hatte. Sie wollte ein großes Shooting im Schlossgarten für erotische Aufnahmen. Das brachte zumindest schon einmal eine ganze Menge Geld in die Kasse. Für so einen großen Auftrag brauchte Victoria allerdings Hilfe. Sie konnte den ganzen Auftrag nicht alleine durchführen. Das war einfach nicht machbar. Sie brauchte jemanden, der die Lichtreflektoren hielt, während sie sich nur um die Kameras kümmern musste. Sie konnte nicht beides auf einmal übernehmen.

Das brachte Ella ins Spiel, was für Victoria fast sofort feststand. Sie hatte niemand anderen, der diese Aufgabe übernehmen konnte. Dazu musste der Laden natürlich geschlossen bleiben. Aber der brachte in diesen Stunden ohnehin kaum etwas ein. Allerdings brachte das Victoria einen kleinen Vorteil. Sie konnte die durchschnittlichen Einnahmen auf die Bezahlung durch die Kundin aufschlagen. Das hatte Ella schon bei der Annahme mit der Kundin besprochen. Dabei kam dann auch heraus, dass die Kundin bei einem Erfolg öfter auf Victoria bei ihren Shootings vertrauen wollte. Ella hatte sie ein wenig ausgefragt und erfahren, dass die Kundin auf diese Weise ihr Geld verdiente.

Wenn das funktionierte und die Kundin immer wieder einen Auftrag an Victoria vergab, konnte sie mit mehr Einnahmen rechnen. Als Bonus kam die Chefin dann auch in den Genuss der Gesellschaft ihrer 1,68 Meter großen Freundin Ella. Das freute die Aushilfe ungemein. Sie war ohnehin sehr sportlich, und so konnte sie bei der Arbeit noch im Schlosspark herumspringen und musste nicht im staubigen Laden hinter der Theke stehen und auf Kunden warten, die ohnehin nicht kamen. Außerdem bekam sie mal etwas anderes zu sehen, was natürlich eine schöne Abwechslung für die Studentin war.

Chapter 2

2. Kapitel (Ellas Wunsch)

Ella verschwand nach dem kurzen Gespräch mit ihrer Chefin mit bester Laune in die Mittagspause. Sie war glücklich darüber, dass ihr Victoria den Arbeitsplatz an ihrer Seite für das Shooting mit der Kundin angeboten hatte. Sie war ohnehin sehr sportlich, und bei der Arbeit auch noch an der frischen Luft im wunderschönen Schlosspark ein neues Handwerk aus der Nähe beobachten zu können, war schon eine tolle Erfahrung. Diese Möglichkeit gab es nicht wirklich oft. Sie hatte sich auch schon vor einigen Jahren selbst ausgemalt, wie es sein musste, selbst vor der Kamera zu stehen. Aber das war bei ihrem Sport, den sie fast exzessiv betrieb, eher nicht zu erwarten.

Dabei wurde zwar getanzt und die nett anzusehenden Körper wurden extrem verbogen, aber einen Fotografen gab es dabei auf der Bühne eher nicht. Meist gab es nur Gruppenfotos oder einmal ein Siegerbild im Rahmen eines sportlichen Wettkampfs, aber mehr war da einfach nicht zu holen. Ballett war eben nicht wirklich weit verbreitet, aber Ella hatte sich schon in der Kindheit daran versucht. Als sie dann zu ihrem vierten Geburtstag auch noch ein pinkes Röckchen geschenkt bekam, war sie nicht mehr zu halten. Stundenlang stand die kleine Ella in ihrem Elternhaus vor der Flimmerkiste und versuchte, ihren kindlichen Körper wie eine Ballerina nach dem Vorbild einer Videokassette zu verbiegen.

Als sie etwas älter wurde, meldeten ihre Eltern sie in einem Verein an. Seitdem lernte Ella mit anderen jungen Frauen vor einem großen Spiegel an der Wand die Bewegungen und bekam hilfreiche Tipps einer Trainerin. Dort hatte sie auch den größten Teil ihres Freundeskreises gefunden. Letztendlich war dieser Sport auch der Auslöser für ihr Studium der Sportwissenschaften. Sie wollte selbst irgendwann eine Trainerin werden und ihr Wissen weitergeben. Bis dahin allerdings stand sie fast jede freie Minute vor dem großen Spiegel im Trainingsraum. Von dem Geld, das sie bei Victoria verdiente, wollte sie sich sogar einen Spiegel für ihre Wohnung kaufen, damit sie dort üben konnte.

Von Victorias Laden bis zu der kleinen Wohnung der Studentin brauchte sie nur wenige Minuten. In ihrem Kühlschrank lag noch eine Portion eines Nudelgerichts vom Vorabend. Das schob sie schnell in die Mikrowelle und stärkte sich für den Nachmittag. Während der kurzen Wartezeit huschte ihr ein kleines Lächeln über das Gesicht. Ella freute sich wie ein kleines Kind auf das Shooting, bei dem sie ihrer Chefin helfen durfte. Das musste ihre beste Freundin Hannah noch an diesem Tag erfahren. Sie war ebenfalls eine Balletttänzerin und trainierte fast jede Minute mit Ella zusammen. Ella nahm ihr Handy zur Hand und wählte die Nummer ihrer Freundin.

Nach dem zweiten Klingeln meldete sich Hannah: »Hey Süße, du willst mir doch nicht für heute Abend absagen, oder?«

Ella lachte: »Nein, ganz sicher nicht. Im Laden hatte ich heute Besuch von einer Kundin, die ein Shooting gebucht hat. Da meine Chefin das nicht alles alleine machen kann, darf ich sie begleiten und einen ganzen Tag im Schlosspark herumspringen. Ich freu mich wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsabend. Das wird garantiert ein wunderschöner Tag für mich.«

»Ein Shooting im Schlosspark? Was werden denn da für Fotos gemacht? Eine Hochzeitsgesellschaft oder was?«

Ella musste kichern, als sie ihrer Freundin berichtete: »Die Kundin verdient ihr Geld mit erotischen Fotos und genau die sollen da im Schlosspark entstehen.«

»Na, das passt ja wie Arsch auf Eimer«, scherzte Hannah lachend. »Da stehst du nach nicht einmal einer Stunde selbst vor der Kamera und verbiegst dich wie eine Palme im Wind.«

»Schön wäre es schon«, gab Ella etwas unzufrieden zurück. »Aber ich darf nur dabei mitarbeiten und nicht ein paar eigene Fotos machen lassen. Das wäre zwar schön, selbst vor Vic zu stehen und mich ablichten zu lassen, aber solche Bilder werde ich mir wohl nie leisten können. Das klappt nicht einmal, wenn du mir dein Erspartes mit dazulegst. So ein Shooting ist verdammt teuer und wir können das im Leben nicht bezahlen.«

»Dann müssen wir das anders anstellen«, schlug Hannah vor. »Zum Training heute Abend nehme ich meine Kamera mit, und wenn alle anderen weg sind, mache ich ein paar Aufnahmen von dir. Wir fangen in Trainingsklamotten an und werden dann immer mehr Stoff los, bis wir dann irgendwann ganz nackig vor der Linse stehen.«

Ella dachte kurz über diesen Vorschlag nach. Die Idee hatte schon was für sich. Zum einen gäbe es hinterher ein paar private Bilder, die aber wohl nur für Hannah und Ella zugänglich waren. Von der Qualität einmal ganz abgesehen. Die 19-jährige Hannah war selbst noch Schülerin des Wirtschaftsgymnasiums und konnte sich auch keine teure Fotoausrüstung leisten. Und hochwertige Fotos konnte man mit einer Handykamera oder einer kleinen Urlaubskamera gar nicht schießen. Außerdem hatten die beiden keine Ahnung, wie man ein Set richtig ausleuchtet, mit Schatten spielt und welche Positionen man einnehmen musste. Man stellte sich das immer nur so leicht vor.

Seit Ella aber bei Victoria arbeitete, hatte sie schon mehrfach das Glück gehabt, bei Shootings in den Geschäftsräumen dabei sein zu können, und wusste daher, dass es gar nicht so einfach war, vernünftige Bilder zu machen. Vor allem nicht nach nur einer Aufnahme. Grundsätzlich war sie gar nicht gegen solche Aufnahmen von sich selbst, aber wenn, sollten sie mit dem nötigen Ernst und auch mit einigermaßen professionellen Geräten gemacht werden. Zudem gab es noch das Problem, dass ihre Freundin Hannah auch noch bei ihren Eltern lebte und die Schule besuchte. Solche Bilder blieben nicht wirklich lange nur privat. In Anbetracht dessen, dass sich Ella aber niemals solche Bilder von sich leisten konnte, kam die Idee ihrer Freundin gerade recht.

»Bring die Kamera einfach mal mit«, schlug Ella vor. »Wir machen ein paar hübsche Bilder von uns, aber ich werde auf keinen Fall meine Unterwäsche ausziehen. Solche Bilder landen mir viel zu schnell im Internet und du willst sicher nicht vor deinem Abitur überall in der Schule solche Bilder von dir hängen haben.«

»Mir ist das ehrlich gesagt egal«, entgegnete Hannah. »Ob ich jetzt im Hochsommer im knappen Bikini durchs Freibad springe oder in sexy Unterwäsche, kommt am Ende auf das Gleiche raus. Außerdem habe ich mich schon oft genug selbst nackt in eindeutigen Posen vor dem Spiegel mit meinem Handy fotografiert und die Bilder an meine Freundinnen geschickt. Die sind auch nie im Internet gelandet. Und du hast mich schon wie oft unter der Dusche gesehen? Mehr oder weniger als hundert Mal?«

Ella lachte: »Ich hab dich nicht nur unter der Dusche gesehen, sondern dir schon den Rücken gewaschen. Allerdings hatte ich da keine Kamera dabei und habe Fotos gemacht. Die wären buchstäblich ins Wasser gefallen.«

»Vielleicht kannst du deine Chefin ja mal überreden, ein paar Bilder von uns zu machen. Schön im Tutu-Kleid ohne was drunter oder so. Du hast doch die Verbindung und damit auch die Möglichkeit, ein paar Bilder zu einem schmalen Kurs oder ganz ohne Bezahlung machen zu lassen. Die sind dann auch noch gleich hochwertig und professionell gemacht.«

Auf diese Idee war Ella noch gar nicht gekommen. Sie stand beinahe täglich in dem kleinen Laden und konnte auch in Victorias Studio die sündhaft teuren Kameras liegen sehen. Victorias teuerste Kamera war sogar mitsamt den verschiedenen Objektiven in einem dicken Schrank eingeschlossen. Die kostete schon in der Grundausstattung über 2.000 Euro und jedes einzelne Objektiv brachte es fast noch einmal auf den gleichen Wert. Dazu kam noch die ganze Beleuchtung und Technik, die sie für ihre Bilder benötigte. Es war ja alles schon da, und Vic würde zugunsten ihrer Freundin und Aushilfe sicher eine Ausnahme machen und eine oder zwei Stunden mit ihnen Bilder machen.

Auf der anderen Seite wusste sie allerdings auch um das schlecht gehende Geschäft ihrer Chefin und wollte die Unternehmerin nicht noch mehr schädigen. Aber wenn Ella ein paar Bilder von sich machen ließ und Victoria einige davon vielleicht verkaufen konnte, brachte das schon wieder Geld in die Kasse. Die hocherotischen Bilder würde sie natürlich nicht für den Verkauf freigeben, aber ein paar Bilder in den Anzügen von den Aufführungen würden doch sicher ein bisschen Geld einbringen. Dann wären die Bilder nicht umsonst und Victoria könnte etwas daran verdienen. Danach wollte sie ihre Chefin gleich nach der Mittagspause fragen. Dann könnte sie auch noch ihre Freundin Hannah für weitere Bilder mit ins Spiel bringen.

Die beiden besprachen diese Idee noch am Telefon und Hannah war ganz und gar nicht abgeneigt, mit Ella zusammen im Laden aufzuschlagen und dort neben den züchtigen Bildern in den Kleidchen auch noch ein paar erotische Bilder zu machen. Am liebsten gleich mit ihrer Freundin zusammen. Hannah ging es dabei eher nicht um die Bilder. Die waren ein netter Nebeneffekt. Für die Schülerin war Ella schon weit mehr als eine einfache Freundin. Insgeheim hoffte sie auf eine Beziehung zu Ella, die davon allerdings noch keine Ahnung hatte. Für Ella war Hannah einfach nur ihre beste Freundin und die beiden konnten stundenlang miteinander quatschen.

Dabei kam es zwar manchmal zu intimeren Momenten, aber für Hannah war das einfach noch nicht genug. Vielleicht konnte sie ja bei den gemeinsamen Bildern ihrer hübschen Freundin noch näher kommen. Und da es sich dabei dann auch um erotische Aufnahmen handelte, bestand sicher auch die Möglichkeit für Zärtlichkeiten untereinander. Ella versprach ihr allerdings, Victoria nach Aufnahmen zu fragen. Erst einmal für sie alleine, aber wenn die Bilder von ihr der Chefin auch etwas einbrachten, konnte sie Hannah auch mit einer kurzen Nachricht dazuholen und sie machten einige gemeinsame Bilder.

Ella kannte für ihre Bilder auch schon den richtigen Platz in ihrer Wohnung. Direkt neben ihrem Bett war eine uneinsehbare Wand, die nicht wirklich einen guten Eindruck machte. Man konnte sie nur sehen, wenn man in ihrem Bett lag. Dort konnte sie die Bilder von sich ganz einfach aufhängen, und selbst wenn sie Besuch bekam, waren die Bilder von ihr für die Gäste nicht zu sehen. Es musste ja nicht gleich jeder ihre blank rasierte Spalte sehen. Die Bilder waren einfach nur für sie selbst gedacht. Solange man jung genug war, konnte man diesen Zustand zumindest auf Fotopapier festhalten. Die Falten kamen mit der Zeit ohnehin, und im Alter konnte man dann stolz auf solche Bilder zurückblicken.

Kurz vor dem Ende ihrer Mittagspause machte sich Ella mit verrückten Ideen im Kopf wieder auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Da sie von dort aus direkt ins Training mit ihrer besten Freundin Hannah wollte, nahm sie sich ihre Sporttasche gleich mit. Die lag dann während der Arbeitszeit unter dem Tresen und wartete überaus geduldig auf ihren nächsten Einsatz. Für das Training mit ihrer Freundin und fast Zwillingsschwester Hannah und die geplanten billigen Fotos hatte sie extra noch einmal ihr bestes Trainingskleid eingepackt. Obwohl die Bilder mit der kleinen Kamera von Hannah nicht wirklich gut werden würden, wollte sie sich doch in ihrem besten Outfit zeigen.

Als sie im Laden ankam, stand Victoria gerade hinter der Kasse und kassierte einen Kunden ab, der sich Passbilder hatte machen lassen. Das war Vics einfaches Tagesgeschäft. Das brachte zwar nicht wirklich viel ein, aber darauf konnte sie, in ihrer Situation natürlich, auf gar keinen Fall verzichten. Immerhin musste sie mit den wenigen Kunden die Pacht und auch die ganzen Kosten irgendwie decken. Allerdings machte sie ein fröhliches Gesicht, als ihre Aushilfe zurückkam, und wollte schon den Platz hinter der Kasse räumen. Ella sah in diesem Moment ihre beste Chance, die Chefin nach ihrem Wunsch zu fragen.

Wenigstens hatte sie in diesem Moment gute Laune und das Lächeln verriet das Übrige. Ella stellte ihre Sporttasche unter die Theke und wandte sich sofort an ihre Chefin.

»Vic, ich habe eine Frage. Hast du kurz Zeit?«

Victoria wirkte erstaunt. Ella kannte eigentlich den ganzen Laden und brauchte auch keine Erklärung mehr zum Kassensystem oder irgendetwas anderem. Aber wenn sie schon eine Frage hatte, sollte sie diese auch stellen. »Zeit habe ich, Ella. Was möchtest du wissen?«

»Erinnerst du dich an die Kundin, die im Schlosspark Fotos machen lassen möchte? Ich wäre ebenfalls an ein paar Bildern von mir interessiert. Bezahlen kann ich die natürlich nicht, aber wenn du dafür die Erlaubnis bekommst, ein paar Schnappschüsse zu verkaufen, bleibt vielleicht ein wenig Geld für dich übrig. Wäre das für dich okay?«

Vic hatte ein schmales Lächeln im Gesicht, dachte kurz über das Angebot nach und fragte dann nur einsilbig: »Erotikfotos?«

»Zuerst einmal nicht. Ich dachte eher an ein paar Bilder in meinen Trainingsklamotten, von denen du ein paar verkaufen kannst. Erst danach ziehe ich dann blank und möchte die Bilder für mich behalten.«

Das schmale Lächeln wurde etwas breiter und Vic antwortete: »Weißt du was, Ella. Da an diesem Nachmittag ohnehin nicht viele Kunden auftauchen werden, mache ich den Laden dicht und du verschwindest mit deiner Tasche im Studio. Zieh dich um und wir machen ein paar Bilder von dir.«

»Im Ernst?«, schoss es aus Ella heraus, die nicht damit rechnete, dass Victoria sofort die Bilder machen würde und dafür sogar den Laden schloss.

»Warum stehst du noch hier?«, fragte Vic mit einem dunklen Unterton in der Stimme. »In spätestens drei Minuten stehst du fertig umgezogen im Studio und wir machen die Bilder, oder du bleibst wie ein Baum hier stehen und wartest auf Kunden, die nicht kommen. Deine Entscheidung!«

Ella konnte ihr Glück kaum fassen. Wie ein Wirbelwind schnappte sie sich ihre Tasche, rannte an Vic vorbei ins Studio und verlor auf dem Weg dorthin schon das halbe T-Shirt, das sie zu den Jeans angezogen hatte. Victoria sah ihr grinsend nach und machte sich auf den Weg zur Ladentür. Dort drehte sie das Schild im Fenster um, zog die Tür zu und verriegelte den Laden. Im Vorbeigehen knipste sie die Kasse aus und folgte Ella ins Studio. Die junge Aushilfe war noch gar nicht mit dem Umziehen fertig, als Vic schon durch die Tür kam. Sie kämpfte gerade noch mit ihrem kleinen, engen Kleidchen, das in diesem Moment einfach nicht passen wollte.

Victoria sah sich das Schauspiel an und entdeckte auf der Haut der Aushilfe etwas, was sie noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Die stilisierte Balletttänzerin auf ihrem Fußknöchel hatte die Chefin schon einige Male zu sehen bekommen, wenn Ella mit einem Sommerkleidchen im Laden stand. Aber auf ihrer Hüfte zeigte sich noch ein rotes Herz. Dieses Tattoo hatte Victoria noch nie zuvor an Ella gesehen. Mit den Augen musterte sie die blasse Haut der Aushilfe und entdeckte noch ein paar weitere Besonderheiten, die sie noch nicht kannte. Obwohl Ellas sehr helle Haut keine Farbe zu haben schien, entdeckte sie doch einige noch hellere Stellen.

Da wo der Slip und der BH der jungen Aushilfe normalerweise die Haut verdeckten, zeigten sich doch sichtbare Unterschiede. Ein wenig Bräune würde der Aushilfe sicher nicht schaden. Das brachte dann auch die helleren Stellen ihres Körpers ein wenig mehr zur Geltung. Nachdem sie das alles gesehen hatte, musste sie die Augen von Ellas hübschen Kurven abwenden. Sie nahm sich eine Kamera zur Hand und schaltete die extrem helle Beleuchtung im Studio an. Ella kam schließlich zum Ende und präsentierte sich in einem leicht rosafarbenen Kleidchen, das ihre tadellose Figur noch besser zur Geltung brachte.

Auffällig waren die Schlappen, die Ella an den Füßen trug. Victoria hatte so etwas noch nie zu Gesicht bekommen. Es sah ein wenig anders aus als die Turnschläppchen, die man kleinen Kindern anzog. Im vorderen Zehenbereich schien eine Art Stahlkappe eingearbeitet zu sein. Victoria fragte danach und bekam eine Auskunft mit Erklärung von Ella. In den Ballettschuhen war vorne eine sogenannte Zehenbox eingearbeitet. Sie bestand aus mehreren Lagen Stoff, Papier und Klebstoff, die eine feste Struktur erzeugten. Das verlieh den Schuhen ihr spezielles Aussehen und hielt sie in Form. Zusätzlich bot diese Struktur auch die Möglichkeit, das gesamte Körpergewicht auf die Zehen zu stützen.

Das war beim Balletttanz immer wieder zu sehen. Scheinbar mühelos schwebten die Tänzerinnen auf ihren Zehen über die Bühne und lächelten dabei. Ella zog einen der Schlappen extra noch einmal aus und zeigte Victoria die feste Struktur vorne an den Zehen. Dazu erklärte sie, dass es ohne diese eingearbeitete Stütze kaum möglich war, auf den Zehenspitzen zu stehen. In ihrem Sport nannte man das »en pointe«. Ohne diese Stütze würde man sich innerhalb einer Minute die Zehen brechen. Selbst Popsänger schafften so eine Position nur für maximal eine Sekunde.

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